Als ein 93-jähriger Mann in einem örtlichen Supermarkt zu arbeiten begann, sorgte das sofort für Verwirrung – besonders beim Filialleiter Matt. Von Anfang an war er skeptisch. Der alte Mann wirkte gebrechlich, bewegte sich langsam und konnte mit dem Arbeitstempo der anderen Angestellten nicht mithalten.
Der Mann, Charles, arbeitete deutlich langsamer als seine Kollegen und machte immer wieder kleine Fehler. Für Matt war das inakzeptabel. Als Charles schließlich ein Regal mit teuren Weinflaschen umstieß, verlor der Manager endgültig die Geduld und entließ ihn vor Kunden und Mitarbeitern fristlos.
Doch damit war die Geschichte nicht vorbei.
Schon am nächsten Tag erschien Charles wieder im Laden – diesmal als Kunde. Er kaufte nichts, sondern blieb einfach lange im Geschäft. In den folgenden Tagen wiederholte sich das. Matt wurde misstrauisch.
Eines Abends überprüfte Matt wie gewohnt die Überwachungskameras – und erschrak. Er sah Charles nach Ladenschluss durch den Supermarkt gehen. Der alte Mann hatte eine Schere und einen Stift in der Hand und schien etwas zu markieren.
Matt eilte sofort in den Laden und schickte Charles weg. Am nächsten Abend passierte dasselbe erneut. Dieses Mal rief Matt die Polizei.
Als die Beamten eintrafen, nahmen sie Charles mit zur Wache. Bevor er ins Polizeiauto stieg, sagte er zu Matt nur einen Satz:
„Warte ab, bis du erfährst, wer ich bin.“
Auf der Polizeistation wurde alles klar.
Charles erklärte Matt, dass er der Gründer und Eigentümer der Supermarktkette sei. Aufgrund zahlreicher Beschwerden über Matts Führungsstil hatte er sich undercover als einfacher Mitarbeiter eingestellt, um sich selbst ein Bild zu machen.
Und was er gesehen hatte, schockierte ihn.
Mitarbeiter hatten berichtet, dass Matt sie anschrie, Überstunden erzwang, Pausen verweigerte und Menschen vor Kunden bloßstellte. Eine Bäckereimitarbeiterin hatte gekündigt, weil sie nicht einmal zur Tanzaufführung ihrer Tochter gehen durfte. Ein 15-jähriger Aushilfsarbeiter hatte weinend angerufen, nachdem Matt ihn vor allen Kunden wegen einer umgefallenen Milchpackung angeschrien hatte. Sogar ein älterer Kunde mit Rollator hatte sich über seine respektlose Behandlung beschwert.
Daraufhin traf Charles eine Entscheidung.
Matt wurde als Filialleiter entlassen.
Doch Charles gab ihm eine zweite Chance – als einfacher Angestellter. Matt musste wieder ganz unten anfangen und lernen, wie es ist, respektvoll mit Kollegen umzugehen.
Ein Jahr später hatte sich Matt völlig verändert. Er arbeitete hart, half anderen und wurde wieder geschätzt. Schließlich wurde er gemeinsam mit Becky – der früheren Bäckereimitarbeiterin – zum Co-Manager befördert.
Der 93-jährige Besitzer hatte sein Ziel erreicht:
Er hatte nicht nur einen schlechten Manager entlarvt, sondern auch einen Menschen verändert.
